Björn Lehner • HEILPRAKTIKER • Hofmaierstr. 31 • 82327 Tutzing


Was ist Homöopathie?

Fast jeder hat irgendwann schon mal was von Homöopathie gehört, oder gelesen, viele haben wahrscheinlich auch schon mal "Kügelchen" genommen, oder waren vielleicht auch schon mal beim" Homöopathen", aber was Homöopathie wirklich ist wissen nur wenige.
Für viele ist Homöopathie nur ein anderer Ausdruck für Naturheilkunde und "Homöopath" ein Synonym für Heilpraktiker.
Akupunktur, Chiropraktik, Pflanzenheilkunde, Augendiagnose - all diese Therapieverfahren werden assoziiert, wenn von der Homöopathie die Rede ist.
Auch viele Arzneimittel werden als "homöopathisch" bezeichnet, aber in den wenigsten Fällen ist wirklich Homöopathie drinn, wo Homöopathie drauf steht.

Die Homöopathie zählt man ebenso zu den alternativen Heilmethoden wie die Naturheilkunde. Sie stellt jedoch für sich eine eigene Therapieform dar, mit ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten.

Die Homöopathie wurde von Samuel Hahnemann (1755-1843), einem der gelehrtesten Menschen der damaligen Zeit, entdeckt. Er beherrschte 7 Sprachen in Wort und Schrift, war zugleich Arzt, Apotheker und Chemiker. Kurz nach der Aufnahme seiner ärztlichen Praxis verlor er jedoch seine Illusionen über die Medizin, denn die damaligen Behandlungsmethoden schwächten die Patienten und führte häufig zum Tod. Er legte seine ärztliche Tätigkeit nieder und schlug sich mit Übersetzungsarbeiten durch um seine große Familie zu ernähren.
1790 übersetzte er die Arzneimittellehre des Engländers William Cullen ins Deutsche. Hahnemann zweifelte dessen Theorie an, dass die erfolgreiche Wirkung der Chinarinde bei Malaria auf dessen magenstärkende Wirkung zurückzuführen sei und wiederlegte dies durch einen einzigartigen Selbstversuch. Er nahm einige Tage lang pulverisierte Chinarinde ein und entwickelte daraufhin eine malariaähnliche Fieber-Symptomatik und er kannte diesen Zustand, da er selbst schon einmal an Malaria erkrankt war. Nach absetzen der Arznei verschwanden die Symptome wieder. Dies wiederholte er einige male mit dem selben Ergebnis. Er zog die Schlußfolgerung, dass eine Krankheit durch eine Arznei geheilt werden kann, die beim Gesunden ähnliche Symptome hervorruft.
Dies war die Geburtsstunde der Homöopathie!
In seiner darauf 50-jährigen Arbeit erforschte Hahnemann dieses Naturgesetz und entwickelte daraus eine perfektionierte Therapie, die damals schon eine vielfach anerkannte Therapiemethode war.
Die Homöopathie Hahnemanns ist auch heute noch Basis jeder homöopathischen Richtung und die von ihm entdeckten Gesetzmäßigkeiten gelten nach wie vor, auch nach über 200 Jahren.

Die Säulen der Homöopathie

1.Das Ähnlichkeitsgesetz - "ähnliches möge durch ähnliches geheilt werden"
Das Ähnlichkeitsgesetz besagt, dass eine Krankheit nur mit demjenigen Arzneimittel geheilt werden kann, das bei einem gesunden Menschen ähnliche Symptome erzeugt. Wie muß man das verstehen?
Ein Beispiel: Sie haben sich erkältet, klagen über Tränenfluss, Augenjucken oder -brennen, Niesreiz und haben ein wässriges, scharfes Nasensekret entwickelt. So wird Ihnen nur das Mittel helfen, welches auch in der Lage ist diese Krankheitssymptome bei einem Gesunden zu produzieren. Dieses Krankheitsbild entsteht beim schneiden von Küchenzwiebeln. Innerhalb kürzester Zeit beginnen die Augen zu brennen, die Nase fängt an zu laufen etc.
Ähnliche Symptome entwickeln sich wie bei der vorher beschriebenen Erkältung. So wird das aus der Küchenzwiebel hergestellte Arzneimittel Allium cepa diese Erkältung heilen.

2.Die Arzneimittelprüfung

Die Arzneimittelprüfung erfolgt am gesunden Menschen. Ähnlich wie es Hahnemann in seinem Chinarinden-Selbstversuch gemacht hat nehmen die "Prüflinge" ein ihnen nicht bekanntes Mittel in geringen Mengen ein, die entstehenden Symptome werden sorgfältig dokumentiert. Später werden alle Symptome der Prüfgruppe zusammengefasst. Zusammen mit Vergiftungsfällen (z.B. bei Quecksilber oder der Tollkirsche) und mit Erfahrungen aus Heilungserfolgen ergibt sich daraus ein Arzneimittelbild. Das Arzneimttelbild umfasst alle bekannten Symptome einer geprüften Substanz, in manchen Fällen sind das bis zu 4000 Symptome!
Heute gibt es über 2000 gut geprüfte Mittel. Die Substanzen kommen aus dem Pflanzen-, Tier-, und Mineralreich, aber auch Metalle und Krankheitserreger oder deren Produkte ( sog. Nosoden) werden zu Arzneimtteln verarbeitet.

3. Die Herstellung der Arzneimittel - Potenzierung

Hahnemann experimentierte mit verschiedenen Substanzen, und da diese teilweise auch sehr giftig waren oder heftige Reaktionen auslösten begann er sie zu verdünnen. Später merkte er, dass durch das anschließende schütteln der Substanz die Arzneikraft stärker wurde. Die homöopathischen Mittel werden auch heute noch nach dem von ihm gefundenen und bis zur Perfektion entwickelten Prinzip des ständigen verdünnen und verschüttelns hergestellt, was man potenzieren nennt.
Die homöopathischen Arzneien gibt es als Globuli (einzahl Globulus) in sog. D- und C - Potenzen, wobei der Buchstabe für den Grad der Verdünnung steht, nämlich 1:10 (D) bzw. 1:100 (C).
Die flüssige Variante wird LM-oder auch Q-Potenzen genannt, wobei die Verdünnung hier 1:50.000 beträgt.


Wie sieht eine homöopathische Behandlung aus?
Was macht ein Homöopath?


Die Kunst besteht darin das passendste/ähnlichste Mittel für den Kranken zu finden um ihn zu heilen. Um dieses Mittel zu finden müssen sich Behandler und Patient Zeit nehmen. Basis für die homöopathische Behandlung ist eine gründliche Anamnese und gute Beobachtungsgabe des Homöopathen und der Kunst auch das nicht gesprochene zu hören und wahrzunehmen. Die Anamnese beginnt eigentlich schon beim ersten Telefonat. Wie tritt der Patient auf (forsch oder schüchtern), wie ist der erste Eindruck (Haltung, Händedruck, feuchte Hände etc.) . Der Patient wird genauestens zu seinen Krankheitssymptomen befragt ( Wann hat es begonnen? Zu welcher Zeit treten die Beschwerden auf? Wie häufig? Wodurch? Wie ist die Art der Beschwerden?Was bessert? Was verschlechter?.....
Außerdem wird nach gehäuften oder schwerwiegenderen Erkrankungen in der Familie gefragt, nach dem sozialen Umfeld, Schlaf, charakterliche Eigenschaften, Nahrungsverlangen, Ängste etc.
Daher dauert die Anamnese auch zwischen 1 und 2 Stunden, in manchen Fällen auch mal länger.
Der Homöopath bearbeitet danach die Angaben (Symptome) des Patienten, ordnet und gewichtet sie nach bestimmten Kriterien. Anschließend werden die Aussagen in die homöopathische Symptomen-Sprache übersetzt und in einem großen Symptomen-Lexikon (Repertorium) nachgeschlagen oder mittels speziellen Computerprogramm repertorisiert.
Bei den einzelnen Symptomen stehen Arzneimittel, die in der Arzneimittelprüfung dieses Symptom zeigten. Die Arzneimittel werden unterschiedlich gewichtet je nach Häufigkeit in der das Symptom vorkam.
Ein Beispiel:
Prüfungsangst (Aussage des Patienten)
Gemüt - Furcht - Versagen,Mißerfog; vor dem - Prüfungen, bei (Symptomen-Sprache)
Aeth., anac., arg.-n., ars., carb-v., Gels ..........(Arzneimittel die bei Prüfungsangst helfen können)
Die Wertigkeit wird durch die Schreibweise dargestellt:
bell. (ein-wertig)
Bell. (zwei-wertig)
Bell. (3-wertig)
BELL(4-wertig)

Anschließend werden die Arzneimittel, die in betracht kommen differenziert und auf die Ähnlichkeit mit dem Krankheitsbild des Kranken in seiner Gesamtheit überprüft (durch Studium der Arzneimttellehre(n)) und das ähnlichste Mittel ausgewählt.

Man sieht, es steckt eine Menge Arbeit dahinter, bis man das passende Arzneimittel herausgearbeitet hat. Dies gilt v.a. für die chronischen Fälle, bei akuten Erkrankungen geht es etwas schneller.

Nicht alle Behandler können sich so viel Zeit nehmen so gründlich zu arbeiten wie es für eine vernünftige homöopathische Behandlung unerlässlich ist. Anderen ist es vielleicht auch zu mühselig sich auf den Patienten einzulassen und alle Symptome genau zu erörtern, auch eine gute homöopathische Ausbildung ist sehr Zeit- und kostenintensiv und läßt sich nicht an ein paar Wochenenden erlernen.

Daher gab es schon relativ früh Bestrebungen das ganze Verfahren zu vereinfachen und abzukürzen, was auch heute noch praktiziert wird und den Leuten als "homöopathisch" und "ohne Nebenwirkungen" verkauft wird.
Hierbei werden meist potenzierte Mittel nach Krankheitsnamen (und nicht nach den individuellen Symptomen des Patienten) oder Komplexmitte verordnet, d.h. eine Mischung mehrerer verschiedener Mittel in unterschiedlichen Potenzen - nach dem Motto "irgendwas wird schon helfen". Die Wechselwirkung der einzelnen Mittel ist nicht geprüft, eine meist zu häufige Einnahme verzerrt das Krankheitsbild (man macht praktisch eine unfreiwillige Arzneimittelprüfung) und kann zu einer Verschlechterung des Zustands führen. Bei beiden Methoden, der"Kochbuch-Homöopathie" und der Komplex-Homöopathie ist der Erfolg eher zufällig bis fragwürdig und geht auf Kosten der Kranken und bzw. der Homöopathie. Dann heißt es: "Homöopathie - hab ich schon probiert, das hilft nicht".
Aber nicht allein die Tatsache, dass ein Medikament potenziert ist macht es zu einem homöopathischen Mittel, es muss auch nach den Regeln der Homöopathie ausgewählt werden. Genauso wenig wie ein Behandler ein Homöopath ist, wenn er ohne die Gesetzmäßigkeiten der Homöopathie zu kennen Globuli verteilt.

Samuel Hahnemann (1755-1843) auf einem der ersten Fotos, die es zur damaligen Zeit gab


„... scheint es abwegig, daß ein Patient erst austherapiert sein muß, bevor er diese Behandlungsform in Anspruch nehmen kann. Auch unter Kostengesichtspunkten ist eine so spät einsetzende Behandlung mit Homöopathie nicht sinnvoll. ... Dabei entstehen für die schulmedizinische Behandlung unter Umständen hohe Kosten, die bei einem frühen Einsatz der Homöopathie vermeidbar gewesen wären.“Rolf Stuppardt, Vorstandsvorsitzender des IKK-Bundesverbandes im Homöopathie-Wegweiser 2002/2003, Hrsg DZVhÄ, Sonntag-Verlag, Stuttgart


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